Vision

Die SQS Spielversionen sind Prototypen digitaler Netzwerke, die vollständig als Papiersimulation in Form von analogen Gesellschaftsspielen konzipiert wurden. Wir antizipieren mögliche disruptive Features in der Struktur und im Interaktions-Design zukünftiger Community Plattformen oder entwerfen spekulative PlugIns für bestehende soziale Netzwerke, deren mögliche Auswirkungen wir in spielbare Regelkreise übersetzen.

Was wie ein Widerspruch klingt, ist dabei durchaus Programm: Wir übersetzen komplexe digitale Artefakte und Prozesse in einfache(re) analoge Spielmechanismen. Wir suchen nach Möglichkeiten, die Auswirkungen digitaler Medientechnologienentwicklung auf die Gesellschaft analog zu (er)spielen. Wir reproduzieren keine bestehenden bestehenden Systeme (etwa eine 1:1 Spielversion von Facebook), sondern antizipieren mögliche disruptive Neuerungen und integrieren sie so in die Spiellogik, dass ihr Einfluss auf das Verhalten der Spieler sichtbar wird. Spieler werden so Teil eines partizipativen Forschungsprozesses, indem sie miteinander spielen.

Wir entwickeln damit kreative Instrumente zur partizipativen Erforschung der medientechnologischen und konzeptionell-gestalterischen Bedingungsstrukturen von sozialen Netzwerken. Wir stellen Community-Bildungsprozesse in Abhängigkeit von sie bedingenden Medienstrukturen und dem Design sozialer Interfaces vor, etwa von neuen Such- und Sharingfunktionen, von der Verfügbarkeit von Daten über Individuen und ihre Umwelt, durch Steuerungs- und Normierungstechniken wie Sichtbarkeit, Evaluation und sozialem Feedback.

Dazu antizipieren wir zukünftige Funktionen und Features für die Identitäts- und Gemeinschaftsbildung in sozialen Netzwerken, die – sobald sie zur technischen und sozialen Norm würden, das On- und Offline-Verhalten der Nutzer entscheidend beeinflussen und verändern könnten. Wir gehen bislang davon aus, dass die tatsächlichen disruptiven Auswirkungen eines Features, wenn es plötzlich massenhaft genutzt wird, weder den Machern noch den Nutzern in ihrer vollständigen sozialen Dimension bewusst sein dürften. In Extremform: Was als einfacher neuer Button (oder die Entfernung desselben) in mittlerweile vertrauten Interfaces sozialer Plattformen erscheint, könnte vielleicht der Klick in eine neue Gesellschaftsform sein. Wir glauben daher an die Notwendigkeit einer experimentellen Forschungsmethode, die mögliche Veränderungsprozesse im Vorhinein erfahr- respektive erspielbar macht und setzen mit unseren Entwürfen partizipative Spielprozesse in Gang, die mögliche Wechselwirkungen von medientechnologischem und sozialem Wandel vorwegnehmbar machen.

Wir haben die spekulativen Community-Entwürfe als Gesellschaftsspiele konzipiert und gestaltet, damit Menschen aller Altersgruppen unabhängig von ihrem Bildungs- und kulturellem Hintergrund und unabhängig von Internetnutzungsgewohnheiten involviert werden können. Oft sind gerade auch die Spielerfahrungen mit weniger geschulten und kritischen Mediennutzern bzw. mit hybriden Gruppen wertvolle Erkenntnisquellen in Bezug auf die Wirkung neuer Features in uns schon selbstverständlich erscheinenden Interfaces.

Unsere Prototypen sind damit zugleich

  • ein soziales Experiment zur Erforschung möglicher Zukünfte digitaler Netzwerke
  • ein alternatives Prototyping und Interaktions-Design Tool für neue Features in sozialen Netzwerken
  • ein edukatives Spiel zur Sensibilisierung für Wechselwirkungen von medientechnologischem und sozialem Wandel
  • ein Instrument zur Provokation kritischer Mediendiskurse

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>