Concept

Will you not listen to Britney Spears now because you know your friends might make fun of you? Or, if youre a contrarian like me, will you listen to the worst music imaginable simply to troll your `viewers? (Laura June 2012)

 Der Social Divergency Allocator ist eine noch in der Konzeptionsphase befindliche Spielversion auf der Basis von “Social Quantified Self” (SQS). Im Spielprinzip von SDA bilden Probanden (Spieler) durch abgrenzende oder gruppenkonforme kulturelle Handlungen und ästhetische Entscheidungen sowie daraus resultierendes soziales Feedback formal codierte Identitäten (z.B. Hipster, Geek, Sammler) aus. Wer sich als Fan einer Band oder Subkulturmitglied verstanden wissen will, muss sich der Logik des dies bezeugenden Systems folgend auch so verhalten.
Unter diesem Vorzeichen fragen wir, was passiert, wenn jedes Musikstück, das wir hören, jeder Film, den wir sehen, jedes Konzert, das wir besuchen, jedes Buch, das wir lesen, jedes Produkt, das wir kaufen, zum algorithmisch interpretierbaren Baustein unserer Identität, zum symbolischen Kapital (im Sinne Pierre Bourdieus) wird und einer Echtzeit-Akzeptanzprüfung innerhalb sozialer (Teil-)Gemeinschaften unterliegt. Laura June stellt in ihrem eingangs zitierten Blogbeitrag einen unmittelbaren Bezug zwischen der restriktiven Ausbildung von Geschmack durch Frictionless Sharing und der Regierung des Selbst durch eine panoptische Überwachungsarchitektur, die Jeremy Bentham 1787 als Prototyp eines perfekten ökonomischen Gefängnisentwurfs konzipiert hat, her. Das Verhalten des Individuums wird reguliert, indem permanente Beobachtung unterstellt wird. Das Individuum agiert, als ob es laufend überwacht würde, selbst wenn dies gar nicht der Fall ist.
Die Herausforderung im SDA Regelwerk ist also, dass ein So-tun-als-ob (man der Meinung der Gruppe wäre), also Lüge oder Rollenspiel, nicht mehr möglich ist. Das Individuum muss die durch das System und die Gruppenkonstellation vorgegebenen Verhaltensweisen und Interessen so weit inkorporieren, dass sie durch Messung und Auswertung verifizierbar sind. Mit anderen Worten: Wenn jeder nur ist, was von ihm/ihr track- und damit sichtbar ist, dann muss er unter Umständen auch die Abweichung vom Selbst strategisch in sein Verhalten, als Technik des Selbst, integrieren.

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