Concept

SQS.loc ist wie SQS ein partizipatives analoges Gesellschaftsspiel – also ein Spiel, das von Nutzern am Tisch durch Brett- und Kartenspielmechanismen gespielt werden kann – nun um mögliche Dynamiken einer Verknüpfung von Communityhandeln und Echtzeit-Stadt-Daten vorwegzunehmen.

Die Erweiterung des Basis-Spiel zu „Location-Sensitive Social Quantified Self“, kurz SQS.loc, ist ein spekulativer Community-Entwurf, der sich auf die Integration von Stadtdaten in die in SQS angenommenen sozialen Netzwerkbedingungen (Frictionless Quantification) konzentriert. Hinzugefügt werden quantifizierbare Informationen über konkrete Orte, Events und Ereignisse:

  1. Der Citizen Score: Drei zusätzliche Parameter für die Darstellung digitaler Identitäten (“Nachhaltiges Handeln”, “Wirtschaftlichkeit, “Soziale Integration” im urbanen Kontext) werden zur zentralen Steuerungsgröße digitaler Informations- und realer Ortszugänge für die Spieler.
  2. Die Stadt als Mitakteur: Orte und Events werden zu sozialen Mitakteuren mit gleichen Partizipationsrechten im Netzwerk – mit eigenen Bedürfnissen, Statusupdates, Kommentaren und Bewertungen.
  3. Urbanes Feedback: Datengesteuerte Ereignisse beeinflussen das Spielgeschehen.

Was könnte passieren, wenn jede Handlung eines Bürgers in einem sozialen Netzwerk von verfügbaren und sozial bewerteten Stadtdaten abhängt und wenn die Stadt als Organismus, der Informationen über sich selbst in das System einspeist, diese Handlungen direkt oder indirekt zu steuern beginnt? Wie verändert sich die Wahrnehmung und Nutzung einer Stadt bzw. konkreter Locations und Events, wenn diese selbst als Akteure in sozialen Netzwerken auftreten – wenn es beispielsweise um die Wahl der angesagtesten Partylocation, des schönsten Laufparks oder des neuen Bürostandorts geht? Wie wirkt sich das Feedback einer Stadt – als intelligenter Organismus – auf das Online- und Offline-Verhalten ihrer Bewohner und Besucher aus? Welche sozialen und urbanen Dynamiken entstehen, wenn alles, was wir tun (und wo), fortan als digitaler Fußabdruck in Communities sichtbar, interpretierbar und bewertbar wird?

Die Trennung von physischem und digitalem Raum wird endgültig aufgehoben. Uns interessiert dabei nicht, wie digitale Netzwerke den konkreten physischen Ort, die Stadt, durch globale Verbindungen und Zirkulation in seiner Relevanz mindern, sondern umgekehrt, wie digitale Netzwerke als Steuerungstechnik von städtischem Leben eingesetzt werden können – und zwar nicht nur im Sinne einer Optimierung der Stadtnutzung, sondern auch im Sinne möglicherweise problematischer Implikationen einer totalen Transparenz, indem die Präsenz von und der Zugang zu Orten und Events durch Filtermechanismen und Bewertungsprozeduren reguliert wird und indem an Subjekte gekoppelte Stadtdaten zu neuen Zuschreibungsflächen für Eigenschaften und damit auch zur Ressource für Stigmatisierungen und sozialen Druck werden.

Welche Dynamiken der Stadtraumnutzung prägen sich aus, wenn die Stadt selbst als digitale Entität auf der Basis quantifizierter Daten mitzukommunizieren beginnt – wo es ihr zu viel wird, wo es ihr zu dreckig ist, wo sie sich einsam fühlt, wo ihr die Hipster auf den Keks gehen…? Kann die Stadt als Teilnehmer in sozialen Netzwerken langfristig ihre eigenen Nutzung und Entwicklung steuern? Oder kommt es zu problematischen Rückkopplungsschleifen, ausgelöst durch totale Transparenz und Echtzeitfeedback, sodass beliebte Orte noch mehr überflutet, unbeliebte noch mehr vernachlässigt werden? Welche Feedbackmechanismen jenseits von „like“ und „comment“ sind adäquat zur formalisierten Generierung von Stadtwissen?

Wenn in auf Quantifizierung beruhenden sozialen Netzwerken das reale Handeln einer Person von seinem digitalen Profil untrennbar wird, letzteres quasi der digitale Fußabdruck des ersten ist – welche neuen Typen von Stadtbewohnern entstehen dann? Was, wenn die Stadt ihren Bürgern selbst Eigenschaften zuschreiben und ihnen auf der Basis dieser Eigenschaften bestimmte Rechte einräumen und andere verwehren kann, wenn sie den Zugang zu bestimmten Orten und Ereignissen reguliert, je nachdem, ob ein Akteur besonders ökologisch, intellektuell, kreativ, ökonomisch veranlagt ist…?

Mögliche Antworten auf diese Fragen sollen in SQS.loc spielerisch erfahrbar werden.

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